Religiöse Einstellung im Wandel
Özet
Die vorliegende Untersuchung befasst sich mit der historisch-soziologischen Einordnung von Said Nursi und der Entwicklung der Nurculuk-Bewegung im Kontext der Moderne. Nursi versuchte, eine Synthese aus islamischen Grundsätzen und westlicher Naturwissenschaft zu schaffen, und begründete mit der Risale-i Nur eine textbasierte Bewegung, deren Anhänger (talebe) sich in informellen Bildungsstätten (Medresen) organisieren. In Deutschland formierte sich die Bewegung ab den 1960er Jahren und baute ein transnationales Netzwerk lokaler Medresen auf, wie etwa die Berlin-Neuköllner Medrese. Diese Einrichtungen dienen vor allem jungen türkeistämmigen Muslimen der zweiten und dritten Migrantengeneration als Orte des Studiums (ders), des Glaubensdienstes (hizmet) und der religiösen Vergewisserung. Vor dem Hintergrund von Diskriminierungserfahrungen, struktureller Bildungsbenachteiligung und medialer Stereotypisierung bieten die Medresen den Jugendlichen ein soziales Netz sowie Orientierung in ihrer bikulturellen Lebenswelt. Das soziale Gefüge zeichnet sich durch das Ideal wahrhafter Brüderlichkeit, geplante Aufnahmeprozesse und die Verehrung Nursis als charismatischem Wegweiser aus. Methodisch basiert die Arbeit auf qualitativer Sozialforschung mittels teilnehmender Beobachtung und der Grounded Theory nach Anselm Strauss, um Akkulturationsstrategien und den Wandel muslimischer Religiosität im Feld empirisch zu rekonstruieren.
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